Saccharin
1,2-Benzisothiazol-3(2H)-on-1,1-dioxid und seine Natrium-, Kalium- und Calciumsalze
Saccharin
auch: Süssstoff · Saccharin-Natrium · Sacharin · Saccharine
Der älteste Süssstoff. 2024 neu bewertet — und die Aufnahmemenge dabei angehoben.
Was es ist
Saccharin wurde 1879 entdeckt und ist damit der älteste künstliche Süssstoff überhaupt; es süsst etwa drei- bis fünfhundertmal stärker als Zucker und hinterlässt in höherer Dosierung einen metallischen Nachgeschmack. Seine Bewertungsgeschichte ist die bemerkenswerteste des Verzeichnisses. In den Vereinigten Staaten trugen Erzeugnisse mit Saccharin von 1977 bis 2000 einen gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweis, der aus derselben Studienlage folgte und später zurückgenommen wurde. Jahrzehntelang stand der Stoff unter Verdacht, weil Rattenversuche eine erhöhte Zahl von Blasentumoren zeigten; darauf gründete die duldbare tägliche Aufnahmemenge von 5 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses. Inzwischen besteht wissenschaftliche Einigkeit, dass dieser Effekt auf männliche Ratten beschränkt und nicht auf den Menschen übertragbar ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat den Stoff deshalb 2024 neu bewertet, einen anderen Endpunkt zugrunde gelegt und die Aufnahmemenge auf 9 Milligramm je Kilogramm angehoben, ausgedrückt als freies Imid.
Woraus es gewonnen wird
Vollsynthetisch aus aromatischen Zwischenprodukten hergestellt; im Verkehr meist als Natriumsalz.
Rechtsstand in der EU
in der EU zugelassen
Stand: 12. August 2026
Zugelassen nach Anhang II der VO (EG) Nr. 1333/2008; die Nummer umfasst Saccharin und seine Natrium-, Kalium- und Calciumsalze.
Fundstelle: VO (EG) Nr. 1333/2008, Anhang II/B
Duldbare tägliche Aufnahmemenge
9 mg je kg Körpergewicht und Tag
festgelegt von EFSA 2024
Ausgedrückt als freies Imid. Ersetzt die 5 mg/kg des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses, die als Natriumsaccharin ausgedrückt waren und 3,8 mg/kg als freiem Imid entsprachen. Grund für die Anhebung: Die Blasentumoren, auf denen der alte Wert beruhte, gelten als spezifisch für männliche Ratten und nicht auf den Menschen übertragbar. Maßgeblicher Endpunkt ist jetzt die Abnahme des Körpergewichts im Tierversuch.
Neubewertung
abgeschlossen 2024
EU-Programm zur Neubewertung der vor 2009 zugelassenen Zusatzstoffe, VO (EU) Nr. 257/2010.
Wofür es eingesetzt wird
- Tafelsüsse und Süssstofftabletten
- Süssung energiereduzierter Getränke
- Mischungen mit anderen Süssstoffen
Was Behörden dazu festgehalten haben
Besonderheiten und Kennzeichnung
- Zugelassen in 34 Lebensmittelkategorien
Anhang II Teil E nennt 34 Lebensmittelkategorien, verteilt auf 14 Bereiche: 01, 03, 04, 05, 06, 07, 09, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 (Bezeichnungen in Teil D). Die Höchstmengen reichen von 50 bis 3 000 mg/kg bzw. mg/l. In 3 der 46 Zulassungen gilt quantum satis, also keine zahlenmässige Höchstmenge. Welche Menge in welchem Lebensmittel gilt, steht dort je Kategorie — diese Angabe ist eine Übersicht, nicht die Zulassung selbst.
VO (EG) Nr. 1333/2008, Anhang II Teil E (konsolidierte Fassung vom 18.02.2026)
Verwandt
Woher wissen wir das?
Diese Seite gibt den Stand der Behörden wieder und ist keine Gesundheitsberatung. Sie enthält keine eigene Bewertung des Stoffes — nur, was in der Verordnung und in den zitierten Gutachten steht.